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Seltener Fluggast aus dem Süden – der Gleitaar

28.08.2015

Vogelkundliche Sensation auf Flächen der Stiftung im Grünen Band Thüringen

Der heiße Sommer hat eine vogelkundliche Rarität ersten Ranges nach Thüringen gebracht.
Eine Vogelart, die normalerweise in Nordafrika und auf der Iberischen Halbinsel zu Hause ist: der Gleitaar. Seinen ungewöhnlichen Namen hat der Vogel seiner gleitenden und leicht gaukelnden Flugweise zu verdanken. Das gesichtete Exemplar wurde 15 Tage lang im Bereich des Grünen Bandes  bei Mendhausen in Südwestthüringen beobachtet, wo der Vogel übernachtete und zu den Jagdflügen aufbrach. Die betreffenden Bereiche des Grünen Bandes befinden sich im Eigentum der Stiftung Naturschutz Thüringen.  

Entdeckt wurde der Gleitaar im Juli vom Bockstadter Biologen Ralf Brettfeld. Der Gleitaar hat seinen Hauptlebensraum in Afrika, Nordafrika und in Südeuropa und wird soweit nördlich nur sehr selten nachgewiesen Seine Sichtung im Grünen Band Thüringen stellt eine ornithologische Besonderheit ersten Ranges dar und der Kreis der Wissenden wurde deshalb bewusst klein gehalten. Dr. Dieter Franz von der Stiftung Naturschutz Thüringen erklärt dies so: „Hätten wir diesen Artnachweis in eins der einschlägigen Internetportale eingegeben, dann hätten wir uns in der Gegend vor Besuchern nicht retten können, die wären aus halb Europa angereist. Das hätte Unruhe gebracht und Schäden an der Vegetation hinterlassen, die nicht nur den Gleitaar als Anlass des Besuches sondern auch den Lebensraum heimischer Arten beeinträchtigt hätten.“. Deshalb wurde im Internet „die Katze erst aus dem Sack gelassen“, als der Vogel wieder verschwunden war.

Der Gleitaar gehört zu den Greifvögeln und ist von der Größe her etwa zwischen Turmfalke und Mäusebussard einzuordnen. In ganz Mitteleuropa gilt er als Irrgast, einen Nachweis aus Thüringen gab es bisher nicht. In der ersten Zeit seines Aufenthaltes nutzte er das Grüne Band sowohl zum Jagen  von Kleinsäugern und Kleinvögeln als auch zum Schlafen. Später vergrößerte er stetig seinen Aktionsraum und war tagsüber fast gar nicht mehr in dem Bereich zu sehen.

Die Stiftung Naturschutz Thüringen hat die Grundstücke in dem Bereich an den Landschaftspflegeverband Thüringer Grabfeld verpachtet, der die Flächen durch einen Schäfer pflegen lässt. Fast 4000 Hektar Fläche am „Grünen Band“ in Thüringen hat die Stiftung von der Bundesrepublik erhalten. Zusammen mit ortsansässigen Landwirten werden diese bewirtschaftet und gepflegt, wobei naturschutzfachliche Kriterien im Vordergrund stehen. Dadurch wird die Artenvielfalt gefördert und die Vernetzung von Lebensräumen verbessert. „Man darf das Auftreten eines solchen Irrgastes sicher nicht überbewerten“ so Franz, „aber dass er sich dann ausgerechnet das Grüne Band als Rastbereich ausgesucht hat, spricht schon Bände“.