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Zwischen Grenzen aktiv – das Grüne Band zwischen Natur, Kultur und Historie

Elftklässler aus Hessen packen im Raum Probstzella/Ludwigstadt mit an

Aus dem hessischen Dillenburg werden von 11.10.2015 -15.10.2015 Elfklässler der Wilhelm-von-Oranien-Schule zu Gast sein, um im Grünen Band im Raum Ludwigstadt – Probstzella aktiv zu werden. Was heute nur noch Verwaltungsgrenze zwischen zwei Bundesländern ist, war bis vor 26 Jahren noch unüberwindbare Grenze zwischen dem politischen „Ost“ und „West“, was hier der Himmelsrichtung Nord und Süd entspricht. Diesen historischen Grenzraum werden die Schüler von Lauenstein aus erkunden, wo sie vom Team des Jugendwaldheims betreut werden. Von dort aus wandert es sich leicht ins GRÜNE BAND am „Köchinnengrab“, wo die erste Aufgabe  auf die motivierten Schüler wartet. Hier, an der ehemaligen Grenze, kann man noch Reste des geschützten Lebensraums Heide finden. Die Heide ist ein Zeugnis der Offenhaltung der ehemaligen Grenztrasse. Heute sind diese bedrohten Lebensräume Teil des europaweit einmaligen Biotopverbundes GRÜNES BAND entlang des ehemaligen Eisernen  Vorhangs.

Hier in Thüringen will die Stiftung Naturschutz Thüringen die Lebensräume der zahlreichen Tier- und Pflanzenarten und gleichzeitig die ehemalige Grenze  als Erinnerungslandschaft für die Menschen erhalten. Als Eigentümerin von 4000 ha verteilt über die 763 km des Grünen Bandes Thüringen ist dieses Anliegen nur mit vielen Partnern und verschiedenen Pflegekonzepten zu meistern. Im Rahmen des Projektes „Grünes Band Aktiv“ wird der spannende Erlebnisraum des Grünen Bandes mit dem naturschutzfachlichen Pflegebedarf zusammengebracht und Schulklassen, Firmen und Freiwilligen als Outdoor-Aktivität angeboten. Zusammen mit dem Naturpark Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale werden so auch die helfenden Hände der Hessischen Schüler mit Arbeitshandschuhen und Werkzeug ausgestattet. Der Biologielehrer der Klasse, der den Kontakt zur Stiftung aufgebaut hat, freut sich über dieses Angebot: „Die pädagogischen Möglichkeiten sind durch das aktive Erleben der biologischen und historischen Zusammenhänge enorm.“ Nachdem die Heide vor dem Zuwachsen durch die Entfernung der aufkommenden Fichten gerettet ist, werden die Schüler von der Thüringer Warte den Blick über das GRÜNE BAND von oben schweifen lassen. Der Bayrische Zeitzeuge Hermann Henniger berichtet ihnen dabei aus der Sicht von außen über die Zeit der Teilung.

Am Mittwoch, 14.10.2015, kommt dann der Blickwinkel von der Thüringer Seite hinzu, den Zeitzeuge Volker Hotka im Grenzturms bei Probstzella vermittelt. Aber auch hier wird kräftig angepackt: Unterstützt von der Gemeinde Probstzella wird am Grenzturm auf dem Hopfsberg das Grüne Band als Schneise für die Natur wieder freigestellt. Schon 2011 hatte der damalige Probstzellaer Bürgermeister Marko Wolfram, heute Landrat des Kreises Saalfeld Rudolstadt, mit zahlreichen freiwilligen Helfern dort ein erstes Stück wieder geöffnet. Anja Scheidig, Angestellte der Gemeinde Probstzella sowie zertifizierte Naturführerin, würde sich freuen, „wenn der historische Blick nach Probstzella irgendwann wieder möglich wäre“.  Aber auch für Pflanzen und Tiere sind solche Offenlandschneisen durch bewaldete Gebiete wertvoll: „Durch die Pflege entstehen wieder Wiesenbereiche, wo sich Insekten tummeln können - wichtig für viele Vogelarten, die neben Bäumen auch offene Flächen zur Nahrungssuche benötigen. Auch die zahlreichen geschützten Fledermäuse im Raum Probstzella orientieren sich mit ihrer Ultraschallortung an den Randstrukturen bei der Futtersuche und wärmeliebende Arten wie Wald- und Zauneidechse sowie Tagfalter wie Trauermantel und Admiral werden dann wieder zu beobachten sein“, so Stella Schmigalle von der Stiftung Naturschutz Thüringen.

Nach der Pflege der Natur steht beim Besuch des Grenzbahnhofs sowie dem Haus des Volkes auch die Geschichte im Fokus. Abgrundet  wird die Woche am Donnerstag im deutsch-deutschen Museum in Mödlareuth, wo bei einer Wanderung ins Tannbachtal auch noch ein ganz anderer Teil des Grünen Bandes zu sehen ist.

Wir freuen uns auf die gemeinsame Woche mit den Schülern sowie die begonnene Zusammenarbeit mit dem Jugendwaldheim Lauenstein, die für die Flächen am "Köchinnengrab" eine Pflegepatenschaft übernehmen und zukünftig mit weiteren Schulklassen, Flächen im Grünen Band pflegen werden.