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Eine Schneise für die Natur – Banker pflegen das GRÜNE BAND

Dass Banker mit Zahlen umgehen können ist bekannt, dass sie sich auch für die Natur einsetzen eher weniger. Und dies dazu auch noch mit körperlicher Arbeit! Aber genau dies geschah am Samstag, den 08.10. am Grenzturm Probstzella. 

Trotz Kälte und Nässe – der Sommer hatte sich am Vortag verabschiedet – arbeiteten 8 Frauen und 3 Männer der Volksbank Saaletal e.G. am Grenzturm Probstzella, um eine Schneise für den Naturschutz zu schlagen. Unterstützt durch Mitarbeiter des Bauhofes von Probstzella, die mit der Motorsäge die größeren Bäume fällten, wurden junge Gehölze entfernt, Äste zersägt und Geäst und Stämme weggeschleppt. Die Stimmung war gut und sogar die Kinder von Bürgermeister Marko Wolfram durften mithelfen.

Die Helfer erfuhren, dass man hier, an der ehemaligen Grenze noch Reste eines europaweit einmaligen Biotopverbundes entdecken kann, der von Finnland bis zum Balkan reicht. Früher „Eiserne Vorhang“ handelt es sich heute um ein GRÜNES BAND, in dem man viele Tiere und Pflanzen findet, die in unserer intensiv genutzten Landschaft selten geworden sind. Braunkelchen, Wanstschrecke und seltene Orchideen haben von der unmenschlichen Grenze profitiert und sollen nun ihren Lebensraum behalten, während gleichzeitig die Menschen das GRÜNE BAND als Erinnerungslandschaft erleben.

Dies zu erreichen ist nicht immer einfach. Christine Kober von der Naturparkverwaltung Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale und Beate Schrader von der Stiftung Naturschutz Thüringen wissen ein Lied davon zu singen. „Die Stiftung ist stolz darauf, nun Eigentümerin der ehemaligen Bundesflächen im GRÜNEN BAND Thüringen zu sein“ so Beate Schrader, „aber es ist unendlich schwer, wenigstens einen Teil der Flächen offen zu halten.“ Sicher dient auch eine naturnahe Waldentwicklung dem Naturschutz und ist an vielen Stellen gewollt, doch gerade das extensiv genutzte Offenland mit seinen seltenen Arten macht das GRÜNE BAND zu etwas Besonderem. „Wir haben zwar schon viele wichtige Partner für das Grüne Band gewinnen können, aber das reicht bei Weitem noch nicht“, ergänzt Christine Kober: „Leider gibt es immer weniger Schäfer.“ 

So machten sich Naturparkverwaltung und Stiftung auf die Suche nach freiwilligen Helfern. Und fanden sie in Gestalt von tatkräftigen Mitarbeitern der Volksbank. Sie packten gründlich zu und so wurde ein Stück des alten Grenzzauns freigelegt. Am Ende waren sich alle einig: Die Aktion hat Spaß gemacht und sollte unbedingt wiederholt werden! 

Hintergrund 

Die Stiftung Naturschutz Thüringen ist eine öffentlich rechtliche Stiftung des Freistaates Thüringen und fördert aus Kapitalerträgen sowie aus Mitteln der Ausgleichsabgabe unterschiedliche Projekte zur Erhaltung und zum Schutz der Natur und zur Pflege der Landschaft. Sie betreut die landeseigenen Naturschutzflächen und ist darüber hinaus Eigentümerin umfangreicher Liegenschaften. Den weitaus größten Anteil nehmen dabei die national bedeutsamen Flächen am GRÜNEN BAND ein. Gut 20 Jahre nach dem Mauerfall wurden der Stiftung diese ehemals bundeseigenen Flächen übertragen — etwa 3900 ha, das ist mehr als ein Viertel des gesamten GRÜNEN BANDES in Deutschland. 

Leider ist am GRÜNEN BAND wie auch in anderen Teilen unserer Landschaft eine immer stärkere Polarisierung zu beobachten: Es wird entweder intensiv als Acker, Grünland oder Forstfläche genutzt oder es droht zu verbrachen. Letzteres besonders, wenn der Standort zu steil, zu nass, zu trocken oder zu mager ist. Diesen Trend will die Stiftung als neue Eigentümerin der Flächen umkehren und dem extensiv genutzten Offenland wieder eine Chance geben. Gerade extensiv genutzte Offenlandflächen sind in Deutschland selten geworden und bieten Lebensraum für zahlreicher bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Durch die Pflege sollen wieder Heideflächen entstehen, wo neben der Heidelerche auch Eule, Laubsänger, Goldammer und Zeisige erwartet werden. Diese Vogelarten brauchen nämlich neben Bäumen offene Flächen zur Nahrungssuche. Fledermäuse orientieren sich mit ihrer Ultraschallortung an den Randstrukturen und auch Wald- und Zauneidechse sowie zahlreiche Tagfalter wie Schillerfalter, Trauermantel und Admiral werden dann wieder zu beobachten sein.