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Pflege des Grünen Bandes bei Harras durch Schafe, Ziegen und manchmal auch große Maschinen

Entwicklung des Grünen Bandes durch gezielte Pflegemaßnahmen

Fast unbemerkt wurden im Bereich des Grünen Bandes im NSG „Leite bei Harras“ die Voraussetzungen für die Erhaltung seltener Offenlandlebensräume durch eine Schaf- und Ziegenbeweidung geschaffen. Die Flächen des Grünen Bandes, damit ist der Bereich zwischen Kolonnenweg und Landesgrenze gemeint, sind überwiegend im Eigentum der Stiftung Naturschutz Thüringen. Sie hat gegenwärtig in Thüringen ca. 3950 ha Grünes Band in ihrem Besitz und sorgt in Zusammenarbeit mit Landwirten, Akteuren des Naturschutzes und den zuständigen Verwaltungen für die Pflege, Entwicklung und den Erhalt der wertvollen Naturerbeflächen.

Im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes Grünes Band Rodachtal - Lange Berge -Steinachtal konnten in der vergangenen Woche gleich drei Maßnahmen in der Gemarkung Harras realisiert werden.
Im westlichen Teil des Grünen Bandes in der Gemarkung Harras wurden Flächen von unerwünschtem Gehölzaufwuchs „freigestellt“. Dabei werden auf den Kalkmagerrasen-standorten die aufkommenden Gehölze, wie z. B. Hasel, Schlehe und Weißdorn, bodennah abgeschnitten, der anfallende Gehölzschnitt wird vor Ort zerkleinert und als Energieholz weiter genutzt. Ein großer Mulcher, das ist ein Gerät, das bis ins Erdreich eingreift, sorgt für die notwendige Nacharbeit und minimiert so den Neuaustrieb. Die Maßnahme erstreckt sich insgesamt auf ca. 3,3 ha und ist in mehrere Teilbereiche untergliedert.

Eine weitere Maßnahme diente der Durchforstung eines kleinen Waldbestandes aus Kiefern, Fichten und einzelnen Wacholdern. Ziel war es hier, speziell den Wacholder zu fördern und andere konkurrierende Arten zurückzudrängen.

In einem Dritten Bereich, östlich der Ortsverbindungsstraße Grattstadt-Veilsdorf, wurden robuste Robinienpfähle für die Beweidung gesetzt. Dies erleichtert es der Milch-Land GmbH Veilsdorf als Nutzer, die ca. 550 Schafe und ca. 25 Ziegen für die Beweidung einzukoppeln. Es müssen nur noch Litzen für den jeweiligen Beweidungsabschnitt gespannt werden und das mühevolle Setzen der Beweidungspfähle für jeden einzelnen Weideabschnitt entfällt.
Durch die Beweidung sollen Offenlandarten, die auf eine extensive Nutzung angewiesen sind und es an anderer Stelle schwer haben, wieder eine Chance bekommen. Besonders im Bereich der ehemaligen innerdeutschen Grenze findet man eine Vielzahl seltener und geschützter Lebensräume sowie Tier- und Pflanzenarten. Im Bereich der Harraser Leite sind es besonders die Kalkmagerrasen, die von überregionaler Bedeutung sind. Es gibt hier beispielsweise noch Arten wie Baumpieper, Braunkehlchen, Silberdistel und verschiedene Orchideen. Um das Mosaik aus vereinzelten Gehölzen und großen Offenlandbereichen dauerhaft zu erhalten ist die Beweidung mit Schafen und Ziegen besonders geeignet und zwingend erforderlich. Ohne eine geeignete Nutzung erobern sich Gehölze und damit langfristig der Wald diese Bereiche; und der Lebensraum „Kalkmagerrasen“ verschwindet.
Mit der Milch-Land GmbH Veilsdorf besteht seit vielen Jahren eine erfolgreiche Zusammenarbeit in der Beweidung des Grünen Bandes. Die fachliche Betreuung erfolgt durch die Natura 2000-Station „Grabfeld“.

Auch wenn entbuschte Bereiche kurz nach der Freistellung oft einen unansehnlichen Eindruck machen, entwickelt sich die Natur hier wieder schnell. Und meist ist bereits nach einem halben Jahr von dem herben Eingriff nichts mehr zu erkennen.

Hintergrund:
Wo früher Stacheldraht und Minen herrschten, regiert heute die Natur. Ein einzigartiger Biotopverbund ist dort entstanden, wohin jahrzehntelang niemand einen Fuß zu setzen wagte. Braunkelchen, seltene Heuschrecken oder wunderschöne Orchideen haben von der unmenschlichen Grenze profitiert und sollen nun ihren Lebensraum behalten, während gleichzeitig die Menschen das GRÜNE BAND als Erinnerungslandschaft erleben.
Seit 2010 hat die Bundesrepublik Deutschland ca. 3.950 ha am GRÜNEN BAND an die Stiftung Naturschutz Thüringen übertragen. Die Übertragung ist mit der Pflicht verbunden, das GRÜNE BAND sowohl als einmaligen national bedeutenden Biotopverbund als auch als geschichtliches Mahnmal zu erhalten und zu entwickeln.

Pflegemaßnahmen am Grünen Band bei Harras Foto: SNT