Einzelansicht

Archiv

Stiftung aktuell

Übernahme des GRÜNEN BANDES

Am 2. September 2009 unterzeichnet die Stiftung Naturschutz Thüringen eine Vereinbarung mit dem Freistaat Thüringen  zur Übernahme des GRÜNEN BANDES. Das GRÜNE BAND Thüringen, so wird die ehemalige Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland genannt. Wo früher Stacheldraht und Minen herrschten, regiert heute die Natur. Ein einzigartiger Biotopverbund ist dort entstanden, wo Jahrzehnte lang niemand einen Fuß zu setzen wagte. Braunkelchen, Wanstschrecke und seltene Orchideen haben von der unmenschlichen Grenze profitiert und sollen nun ihren Lebensraum behalten, während gleichzeitig die Menschen das GRÜNE BAND als Erinnerungslandschaft erleben.

Diese doppelte Verantwortung, das GRÜNE BAND für die Natur zu erhalten und zu entwickeln, aber auch für die Menschen im Gedenken an die deutsche Teilung erlebbar zu machen, verlagert sich nun auf die Schultern der Stiftung Naturschutz Thüringen.
Dies schließt nicht aus, dass auch danach noch einige Flächen nach Mauergesetz auf die Alteigentümer übertragen werden. Man geht daher nur von einem Umfang von ca. 3600 bis 3800 ha aus, die dauerhaft bei der Stiftung verbleiben. Bedenkt man, dass das GRÜNE BAND in Deutschland insgesamt ca. 1400 km lang ist und dabei auf Thüringen ca. 763 km mit ca. 6400 ha, also gut die Hälfte, entfallen, so bedeutet dies, dass die Stiftung Naturschutz Thüringen mehr als ein Viertel des GRÜNEN BANDES in Deutschland betreut.
„Es ist ein riesiger Vertrauensbeweis für die Stiftung“, so das Vorstandsmitglied Herr Dr. Dieter Franz anlässlich der Unterzeichnung, „mit dem heutigen Tag peu à peu das Eigentum und die Verantwortung für den Erhalt, die Pflege und Weiterentwicklung der dem Freistaat zustehenden Liegenschaften im Grünen Band übernehmen zu dürfen.“

Rückblende

Bereits 2003 begannen die Gespräche der Länder mit den Bundesministerien für Finanzen und Umwelt mit dem Ziel, die im Bundesbesitz befindlichen Flächen des GRÜNEN BANDES in das Eigentum der Bundesländer zu übertragen. Der Freistaat Thüringen stellte in Folge dessen im Dezember 2003 den Antrag auf unentgeltliche Zuordnung der bundeseigenen Flächen. Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD vom November 2005 heißt es: „Wir werden daher gesamtstaatlich repräsentative Naturschutzflächen des Bundes (inkl. Flächen des „GRÜNEN BANDES“) … unentgeltlich in eine Bundesstiftung einbringen oder an die Länder übertragen.“ Trotzdem dauerte es noch drei weitere Jahre und bedurfte langer, zäher Verhandlungen um die Übernahme der Personalkosten für die bislang im GRÜNEN BAND tätigen Bundesförster bis am 9. November 2008 eine Vereinbarung zwischen dem Bund und dem Freistatt Thüringen unterzeichnet werden konnte.     

Somit war der Weg frei, eine Vermögenszuordnung zugunsten der Stiftung Naturschutz zu beantragen. Fast frei, denn mit Kapitalerträgen zwischen 100.000 und 150.000 € im Jahr war und ist die Stiftung deutlich überfordert, die eingangs zitierten Aufgaben bei der Entwicklung des GRÜNEN BANDES zu erfüllen. Folgerichtig musste wiederum eine Vereinbarung zwischen Freistaat und Stiftung abgeschlossen werden, nach der sich die Stiftung verpflichtet, das „GRÜNE BAND für künftige Generationen als Teil des Nationalen Naturerbes wie auch als Teil deutscher und europäischer Nachkriegsgeschichte im Sinne eines grünen Mahnmals sichtbar und begreifbar zu machen.“ Gleichzeitig verpflichtet sich der Freistaat, die Stiftung bei der Verwaltung, Erhaltung und Entwicklung des GRÜNEN BANDES im notwendigen Umfang zu unterstützen und stellt sie von allen Haftungsansprüchen bezüglich Altlasten und Kampfmitteln frei. 
Ab 1. Januar 2010 waren alle ehemaligen Eigentumsflächen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) in den Besitz der Stiftung übergegangen.

Und dann? 

Schon jetzt gibt es eine Fülle von Wünschen, Anregungen und konkreten Vorschlägen für einzelne Projekte im oder am Grünen Band. Allein könnten die wenigen Mitarbeiter/innen der Stiftung dieser Aufgabe sicher nicht gerecht werden. Ihnen stehen die Bundesförster für forstwirtschaftliche Maßnahmen von der Verkehrssicherungspflicht über den Forstschutz bis zu Waldumbaumaßnahmen zur Seite. Die Thüringer Landgesellschaft wird voraussichtlich das Liegenschaftsmanagement von den Grundbuchangelegenheiten über die Nutzungsrechte  bis zur Wahrung der Eigentümerrechte in der Flurbereinigung und vor allem die Datenpflege übernehmen. Und schließlich sind da die Ämter für Landentwicklung und Flurneuordnung, die Forst- und Landwirtschaftsämter, die Naturschutzbehörden, die LEADER-RAG’s und alle anderen Akteure, die in landesweiten und regionalen Arbeitsgruppen zusammengefasst werden.

Die Stiftung hat ihre Ziele analog dem Leitbild der Landesregierung in 5 Punkten zusammengefasst: 

  • Naturschutz hat Vorrang, d. h. wertvolle Lebensräume müssen erhalten und entwickelt werden, gefährdete Arten unterstützt werden.
  • Das GRÜNE BAND soll für die Menschen erlebbar sein (Wahrnehmbarkeit, Umweltbildung).
  • Biotoppflege muss langfristig funktionieren (d. h. in der Regel Pflege durch Nutzung).
  • Die Menschen, die am GB leben, sollen sich mit ihm identifizieren können (Inwertsetzung für Naherholung und Tourismus).
  • Das GB soll verbinden (Zusammenarbeit zwischen den Regionen, Ländern, Staaten).   

Hierüber möchte sie mit den Akteuren vor Ort in Dialog treten. Nicht zuletzt darüber, mit welchen Mitteln, angefangen bei Eigenmitteln der Stiftung über Fördermittel des Landes und des Bundes bis hin zu europäischen Fördermitteln sinnvolle und notwendig Projekte umgesetzt werden können. Oder auch darüber, welche Projekte für die Region oder einen einzelnen Nutzer wirtschaftlich attraktiv sind.

Ideen, Vorschläge und Anträge können über die Homepage der Stiftung www.stiftung-naturschutz-thueringen.de, aber gern auch in einem persönlichen Gespräch an den Mann und an die Frau gebracht werden.

Für Rückfragen: Beate Schrader, Tel: 0361/573931201, Beate.Schrader(at)tlug.thueringen.de