Preisträger 2016

Thüringer Naturschutzpreis 2016 - die Preisträger

Jürgen Auerswald - Ornithologe und Naturschützer mit Leib und Seele

„Und wer kümmert sich um die Reusen, wenn ich nach Erfurt fahren und mir den Preis abholen soll?“ Jürgen Auerswald, Ornithologe und Naturschützer, Rentner und Vogelberinger aus Dreba im Saale-Orla-Kreis schüttelt den Kopf. „Da muss sich drum gekümmert werden, da kann ich nicht mal eben wegfahren, ohne dass da wer nach dem Rechten sieht.“

Auerswald wurde von seinen NABU-Kollegen für den Thüringer Naturschutzpreis 2016 vorgeschlagen und er hat ihn bekommen. Der Naturfreund und Artenkenner hat aber eigentlich keine Zeit für Preisverleihungen. Niemals wäre ihm eingefallen, sich darum zu bewerben. Er hat zu tun. Für die Natur. Und in der Natur. Neben zahlreichen verbandlichen Aktivitäten ist der über 70jährige trotz gesundheitlicher Einschränkungen Tag für Tag draußen und betreibt u.a. akribisch die Erfassung der heimatlichen Vogelwelt. Er weiß, was es heißt, am Ball zu bleiben, wenn für die Natur etwas erreicht werden soll. „Man darf nicht nachlassen, man muss reden und vor allem viel schreiben. Wer schreibt der bleibt nicht nur, der wird auch eher gehört. Und am besten ist es noch, wenn man aus eigenem Erleben weiß, worüber man schreibt.“ Auerswald ist Verfasser zahlreicher wissenschaftlicher Abhandlungen zur Teichfauna und Mitglied in diversen ornithologischen Gremien.

Und nun ist er erster Preisträger für den Thüringer Naturschutzpreis 2016 und wird damit für seinen unermüdlichen Einsatz für den Erhalt, die Verbesserung und die Erforschung des Dreba-Plothener Teichgebietes ausgezeichnet.
Die Begründung der Jury lautet: Bereits seit 1958 ist Herr Jürgen Auerswald im Bereich des Dreba-Plothener Teichgebietes als Ornithologe ehrenamtlich tätig und hat in dieser Zeit maßgeblich die Vogelwelt des Teichgebietes erforscht. Schon 1974 richtete er auch einen Stützpunkt für die wissenschaftliche Vogelberingung ein, die er im Auftrag der Vogelwarte Hiddensee durchführte und noch durchführt. Der Initiative von Jürgen Auerswald ist es zu verdanken, dass Schritt für Schritt aus einem durch Güllebecken sehr stark belasteten Teilgebiet eine wertvolle Fläche für den Naturschutz wurde. Sedimente als Hinterlassenschaft der Schweinemast aus DDR-Zeiten sind immer noch vorhanden und der Umwandlungsprozess zu wirklich naturnahen Flächen ist auch bis heute nicht abgeschlossen.
Jürgen Auerswald ist es in den vergangenen Jahrzehnten gelungen, Gleichgesinnte um sich zu scharen und für den Erhalt  und die Verbesserung des Gebietes zu begeistern. Es ist fast überflüssig zu bemerken, dass es in einem so langen Zeitraum natürlich auch Misserfolge gab, die Herrn Auerswald jedoch nie daran gehindert haben, seine Naturschutzideen und –ziele geradlinig weiter zu verfolgen. Herrn Auerswalds Hartnäckigkeit ist es auch zu verdanken, dass drei kleine Schutzgebiete von insgesamt 39 Hektar im Jahr 2000 auf ca. 1095 ha zum Naturschutzgebiet „Dreba-Plothener Teichgebiet“ erweitert wurden.
Die Jury wertet den Einsatz und die Zielstrebigkeit des Wirkens von Herrn Auerswald als absolut herausragende Leistung für den Naturschutz in Thüringen.


Interessengemeinschaft Fledermausschutz und -forschung Thüringen IFT e.V. - Die Kleine Hufeisennase im Aufwind

Der zweite Preis geht an die Interessengemeinschaft für Fledermausschutz. Seit mehr als 20 Jahren betreiben die Thüringer Fledermausschützer, die sich seit 1997 in der IFT organisiert haben, intensiv das Artenhilfsprogramm Kleine Hufeisennase. Sie setzen sich für Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen dieser besonderen Fledermausart ein. Trotz häufiger herber Rückschläge in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit haben es die Fledermausschützer durch ihr anhaltendes Engagement für die kleinen Nachtschwärmer erreicht, dass sich deren Tierbestand nach dramatischen Einbrüchen in den 60 er bis 90er Jahren des letzten Jahrhunderts nicht nur weitgehend stabilisieren sondern erfreulich anwachsen konnte. Die Kleine Hufeisennase, die Anfang der neunziger Jahre mit weniger als hundert erfassten Tieren in ganz Thüringen akut vom Aussterben bedroht war, ist inzwischen im Aufwind und zum Fledermausflaggschiff des Freistaates geworden. Thüringen hat mit weitem Abstand die bestandsstärksten Vorkommen an Kleinen Hufeisennasen in Deutschland und trägt damit eine besondere Verantwortung für diese Art.
„Für uns Fledermausfreunde ist der Thüringer Naturschutzpreis zum wiederholten Male eine große Anerkennung für unser beharrliches Engagement. In enger Zusammenarbeit mit der Thüringer Naturschutzverwaltung und vielen weiteren Partnern ist es uns gemeinsam gelungen, erfolgreiche Schutz- und Fördermaßnahmen für die Kleinen Hufeisennase in Thüringen umzusetzen. Heute beherbergen prominente Gebäude, wie die Burg Ranis, die Leuchtenburg im Saaletal oder die Thüringenhalle in Erfurt, aber auch etliche Kirchen und Privathäuser wohlwollend die geschützten Tiere.“, sagt Martin Biedermann, Vorsitzender der IFT.