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Grünes Band Aktiv Veranstaltung

Der Ölkäfer kündigt den Frühling an

BUND Kreisgruppe übernimmt Pflegepatenschaft für bedrohten Lebensraum im Grünen Band

Vorletzten Samstag war es wieder soweit. Der BUND Kreisverband Sonneberg lud zusammen mit der Stiftung Naturschutz Thüringen zu einer Pflegeaktion in den ehemaligen Grenzstreifen ein. Hier zwischen Meilschnitz (Bayern) und Bettelhecken (Thüringen) befinden sich noch Lebensräume, die so mancher gefährdeten Tier- und Pflanzenart in Thüringen das Überleben sichert. Großen Anteil an der Erhaltung dieser bedrohten Heidestandorte im Naturschutzgebiet „Mürschnitzer Sack“ hat eine Gruppe von engagierten Bürgern, die sich schon seit der Grenzöffnung diesen Kleinoden der Natur angenommen hat. Heute organisieren Sie über den BUND Kreisverband Sonneberg mehrere Pflegeeinsätze jährlich, um die aufkommenden Gehölze zu roden und den wärme- und lichtliebenden Arten ihren Lebensraum zu bewahren.

Die Stiftung Naturschutz Thüringen trägt als Flächeneigentümerin die Verantwortung für diese und ca. 3900 ha weitere Flächen im Grünen Band. Diese wurden vom Bund an die Stiftung übertragen. Das Grüne Band zusammen mit den Menschen für die Natur und auch als lebendiges Denkmal innerdeutscher Geschichte zu erhalten, ist eine große Herausforderung. Letztendlich geht es darum, entlang des gesamten eisernen Vorhangs, also europaweit einen Grenzen überwindenden Lebensraumverbund zu entwickeln und erhalten. Jeder Partner vor Ort trägt hierzu bei. Gerade die wichtigen Initiativen vor Ort, sind es, die die Stiftung mit ihrem, von der EU und dem Land Thüringen geförderten, Projekt „Grünes Band Aktiv“ unterstützen will. Die am Samstag beim gemeinsamen Einsatz unterzeichnete Pflegepatenschaft ist Ausdruck von Anerkennung und Vorbildcharakter der Engagierten, sowie Willensbekundung, die Verantwortung für den Lebensraum mit zu tragen.

Belohnt wurden die tatkräftigen Helfer am Samstag nicht nur mit neuen Handschuhen für die kommenden Einsätze, einer deftigen Brotzeit sowie einem Päckchen „Grünes Band Nudel“ für den Hunger zuhause. Es gelang auch der diesjährig erste Fund eines Ölkäfers, einer der geschützten Bewohner, für die man den Lebensraum offenhält. Diese Tiere haben eine äußerst komplizierte Entwicklungsgeschichte: Der Käfer legt nach der Paarung im Frühjahr seine Eier in offene Erdbereiche. Das daraus ausschlüpfende erste Larvenstadium ist sehr beweglich und aktiv. Die Larven klettern auf die ersten Frühblüher, um sich an Pollen sammelnden Insekten festzuklammern. Nur bei einer Wirtin, einer solitären Wildbienenart, führt dies zum Ziel. Unfreiwillig trägt sie die Larve in ihren Bau. Dort lässt sie sich mit einem frischgelegten Ei in einer Zelle fallen und ernährt sich nun über mehrere Larvenstadien von den eingetragenen Vorräten. Erst als fertiger Käfer verlässt dieser den Wirtsbau zur Paarung. Ölkäfer können sich demnach nur dort vermehren, wo neben dem richtigen Lebensraum, auch die spezielle Wildbiene vorkommt und die beiden sich zufällig bei einem Blütenbesuch begegnen. Bei solch spannenden Lebenszyklen leuchtet jedem ein, warum so manche Art hochgradig gefährdet und der Erhalt der Lebensräume für die Artenvielfalt essentiell ist. Anfassen sollte man die schön glänzenden Tiere allerdings nicht! Bei Berührung sondern sie ein blasenbildendes Sekret ab, das auch beim Menschen wirkt. Da packt man doch lieber bei der Pflege ihrer Lebensräume mit an!

Kontakt: BUND Kreisverband Sonneberg, Bund.sonneberg@bund.net