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Geschichte und Natur - Handarbeit und Technik

Zwischen Grenzen aktiv – das Grüne Band zwischen Natur, Kultur und Historie

Persönliche Anknüpfungspunkte zur innerdeutschen Grenzgeschichte erleichtern den Bezug zu diesem einschneidenden Kapitel jüngerer deutscher Geschichte. Wie aber gehen junge Leute, die nicht im Umfeld der ehemaligen Grenze aufwachsen, mit diesem Thema um? Mangels eigener Erfahrungen und Anschauungen fehlt den meisten die Vorstellungskraft, welche Auswirkungen diese Grenze hatte. Gegen diesen Mangel lässt sich allerdings Abhilfe schaffen. Ab Sonntag, dem 09.10.2016 verbringen die Schüler dreier 12. und einer 11. Klasse der Wilhelm-von-Oranien-Schule aus dem nordhessischen Dillenburg ihre Wanderwoche im Thüringer Schiefergebirge rund um das Grüne Band bei Lehesten und Lauenstein. Die Schüler werden auf den Spuren der ehemaligen innerdeutschen Grenze die Geschichte der Region erkunden und zusätzlich tatkräftig dabei mithelfen, die wertvollen Offenlandlebensräume im Grünen Band und im Naturschutzgebiet Staatsbruch zu erhalten. Sowohl Wanderungen und Pflegemaßnahmen im direkten ehemaligen Grenzgebiet, das heute als wertvoller Lebensraumverbund bundesweite Bedeutung hat, wie auch der Besuch des Deutsch-deutschen Grenzmuseums sowie des Grenzbahnhofs in Probstzella und die Beschäftigung mit dem regionsprägenden Schieferabbau sind Themen für den Thüringen-Aufenthalt der Jugendlichen aus dem benachbarten Bundesland, erfährt man von Bettina Ermer vom Landschaftspflegverband, die das Wochenprogramm maßgeblich organisiert hat.

Die Stiftung Naturschutz Thüringen hat zusammen mit dem Landschaftspflegeverband Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale und dem gleichnamigen Naturpark in der Vergangenheit bereits zahlreiche Pflegeeinsätze am Grünen Band organisiert. „Wir haben dabei die Erfahrung gemacht,  dass das aktive Anpacken und die Vermittlung von Geschichte durch Zeitzeugen am realen Ort bei den freiwilligen Helfern und Engagierten stets nachhaltige Eindrücke und weitergehendes Interesse erzeugt haben.“, so Stella Schmigalle von der Stiftung Naturschutz Thüringen. Bettina Ermer freut sich, dass der LPV im Rahmen des ELER geförderten Projektes „Freiwillige für Naturschutz- und Landschaftspflegearbeiten im Naturpark“ in den kommenden Jahren solche Pflegeaktionen wieder verstärkt betreuen und organisieren kann.
Mancherorts können die noch kleineren Fichten und Birken einzeln von Hand aus den Heiden gerupft werden. Aber nicht überall kann dem fortwährenden Aufwuchs sinnvoll durch freiwillige Naturschützer in fleißiger Handarbeit entgegengewirkt werden. Stellenweise ist der Einsatz größerer Technik erforderlich, um den offenen Charakter der Vegetation wieder herzustellen oder zu erhalten. Durch die Stiftung Naturschutz Thüringen als Eigentümerin der Flächen werden deshalb entsprechende Einsätze veranlasst, um das Grüne Band als Natur- und Erinnerungslandschaft zu erhalten.

Zwischen der Ottendorfer Halde und der Rehbachhalde werden derzeit der Kolonnenweg und die zugewachsenen Saumbereiche wieder freigestellt. Auch entlang des angrenzenden Mühlen-Gedenk-Weges werden Gehölze an den ehemaligen Mühlenstandorten entnommen und damit die Erinnerungsarbeit der Grundschule Lehesten unterstützt. Naturschutzmaßnahmen, wie das Freilegen des zuwachsenden Kolonnenweges und angrenzender Offenlandbiotope dienen damit dem sanften Tourismus und der Natur. Wertvolle Offenlandlebensräume wie magere Wiesen, Heiden und Staudenfluren sind dann als Lebensraum für zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten wieder verbunden. Dies hat nicht nur regionale, sondern auch überregionale Auswirkungen: In Zeiten zunehmender Klimaveränderung stellt das Grüne Band einen wertvollen Nord-Süd-Wanderkorridor für viele bedrängte Arten dar. Gleichzeitig bietet der authentische Plattenweg aus Grenzzeiten z.B. entlang des Schieferpfades, Wanderern wieder mehr Licht. Auch wenn maschinelle Maßnahmen Spuren hinterlassen, die zunächst verheerend wirken können: Nach kurzer Zeit entwickeln sich wieder blütenreiche Lebensräume, die sowohl dem Menschen wie auch der Natur wohltun.


Die Wanderwoche mit den Dillenburger Schülern findet unter dem Motto „Zwischen Grenzen aktiv – das Grüne Band zwischen Natur, Kultur und Historie“ statt. Unter der Federführung des Landschaftspflegeverbandes im Rahmen ihres ELER Freiwilligenprojektes, unterstützen weitere Partner sowie Zeitzeugen und Naturführer die Umsetzung und Betreuung der rund 80 Schüler:
•    Naturpark Thüringer Schiefergebirge/ Obere Saale
•    Stiftung Naturschutz Thüringen
•    Jugendwaldheim Lauenstein
•    Untere Naturschutzbehörde Rudolstadt
•    Thüringen Forst
•    Gemeinde Probstzella
•    Stiftung Thüringischer Schieferpark Lehesten
•    KZ-Gedenkstätte Laura

Schüler der Wilhelm-von-Oranien-Schule aus Dillenburg bei ihrem Besuch am Grenzturm Probstzella im Herbst 2015. Die Pflegemaßnahmen dort mussten aufgrund des vorzeitigen Wintereinbruchs auf dieses Jahr verschoben werden.