29 Thüringer Schulen profitieren von BNE-Projekt auf der Streuobstwiese
Raus aus dem Klassenzimmer, rein in die Natur: Mit einem praktischen Auftakt startet die Grundschule Gotha-Siebleben in das Bildungsprojekt „Vom Schulobstbaum zur Streuobstwiese“. Gemeinsam mit Streuobstpädagoge Matthias Rohmann erkunden die Schülerinnen und Schüler ihre Streuobstwiese direkt am Schulgarten und erleben vor Ort, wie aus dem einzelnen Birnbaum, den sie als Schulobstbaum gepflanzt haben, künftig ein artenreicher Lebensraum entsteht.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur Wissen, sondern Verantwortung: Die Kinder kümmern sich künftig um „ihren“ Baum, beobachten sein Wachstum und lernen, wie Pflege, Ernte und Verarbeitung zusammenhängen. Auch die Frage, wie das geerntete Obst verwertet werden kann – etwa zu Säften, Mus oder Trockenobst – wird Teil des Projekts sein.
Der Auftakt ist eingebettet in die Jubiläumsaktion „30 Jahre – 30 Schulobstbäume“ der Stiftung Naturschutz Thüringen. Anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens finanziert die Stiftung 30 Schulobstbäume inklusive einer 25-jährigen Pflege an insgesamt 30 Thüringer Bildungsorten.
Umweltminister Tilo Kummer betont: „Kinder und Jugendliche begeistern sich früh für Natur und Artenvielfalt. Wer schon in der Schule erlebt, wie spannend das Leben im Wald, auf Wiesen und Äckern und in unseren Gewässern ist, wird seine Umwelt später auch achten. Wer lernt, wie köstlich selbst geerntetes, reifes Obst schmeckt und was man dafür an Pflegeleistungen erbringen muss, wird den Wert von Streuobstwiesen schätzen. Genau dort setzen wir an: Wir sensibilisieren die nächste Generation ganz praktisch und vor Ort. Denn wir brauchen künftig junge Menschen, die Verantwortung für unsere Natur übernehmen und ihr Wissen weitertragen – und viele, die nachhaltig handeln.“
Die Veranstaltung ist Teil des dreijährigen Bildungsprogramms „Vom Schulobstbaum zur Streuobstwiese – Nachhaltiges Wirken für eine vielfältige und essbare Schulumgebung“. Es wird im Zeitraum von 2026 bis 2028 mit insgesamt 69.600 Euro durch das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten im Rahmen der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) gefördert. Vorgesehen sind sechs praxisnahe Bildungstage für jede der teilnehmenden Schulen – im Frühling, zur Erntezeit und im Winter zur Pflege. Insgesamt sind das 58 Bildungsveranstaltungen. Unterstützt wird das Vorhaben durch das Netzwerk der Streuobstpädagogen Thüringen, das den fachlichen Austausch stärkt und hochwertige Bildungsangebote sichert.
Mit Unterstützung des Ministeriums wurden bereits drei Ausbildungslehrgänge für Streuobstpädagoginnen und -pädagogen durchgeführt. Insgesamt haben zwischen 2022 und 2025 rund 60 Teilnehmende die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Die zertifizierten Fachkräfte bieten inzwischen landesweit Bildungsangebote für Schulklassen und weitere Zielgruppen an – häufig freiberuflich oder, wie hier, eingebunden in bestehende Bildungsprogramme.
Ganz im Sinne des Projekts gilt damit: Lernen findet nicht nur im Klassenzimmer statt – sondern auch im „Grünen Klassenzimmer“ direkt vor der Schultür.

