Tagung – Das Grüne Band auf dem Weg zum Welterbe
am 10. und 11. Juni 2026 im Bauhaushotel Probstzella
Das Grüne Band soll in dieser Tagung als besonderer Natur- und Kulturraum stärker in den Fokus gerückt und seine Bewerbung als UNESCO-Welterbestätte unterstützt werden. Sie bringt Akteurinnen und Akteure aus Wissenschaft, (Erinnerungs-)Kultur, Naturschutz, Politik, Wirtschaft und Tourismus zusammen, um den Austausch zu fördern und den gesellschaftlichen sowie politischen Rückhalt für dieses Vorhaben zu stärken.
Für Ihre Teilnahme ist eine Anmeldung bis 3. Juni 2026 erforderlich!
Die Anzahl der Plätze ist auf 100 begrenzt.
Hintergrund der Tagung
Deutschland war über 40 Jahre durch die innerdeutsche Grenze geteilt. Der streng bewachte Grenzstreifen wurde im Laufe seines Bestehens zum Refugium für mehr als 1.200 seltene und gefährdete Pflanzen- und Tierarten. Die Grenzregion entwickelte sich zum Rückzugsort für zahlreiche bedrohte Arten und zu einem Wanderkorridor und Lebensraumverbund von europäischer Bedeutung – dem Grünen Band. Im einstigen Sperrgebiet der DDR und Zonenrandgebiet der Bundesrepublik bildete sich eine lebendige Gedächtnis- und Erinnerungslandschaft heraus, in der mit viel Engagement und in vielfältiger Art und Weise an die friedliche Überwindung einer totalen Grenze, aber auch an Leid, Vertreibung, Unfreiheit, Tod und die Teilung als solches erinnert wird.
Um diesen außergewöhnlichen Natur- und Kulturraum langfristig zu sichern und in seiner nationalen und internationalen Bedeutung zu würdigen, soll das Grüne Band Welterbe werden. Mit der Aufnahme in die deutsche Tentativliste als Weltnaturerbe im Dezember 2023 wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht. Eine mögliche Weiterentwicklung des Antrags zu einer gemischten Stätte (Natur- und Kulturerbe) wird derzeit geprüft.
Die Veranstaltung wird gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, des Nationalen BUND Kompetenzzentrum Grünes Band, des Kooperationsprojektes „Auf dem Weg zum Welterbe: Natur- und Kulturraum Grünes Band“ von BUND und Deutscher Kulturrat e.V., des Thüringer Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Deutschen Nationalkomitee von ICOMOS e.V..
Tagungsprogramm
Mittwoch, 10. Juni 2026
13:00 Uhr | Begrüßung durch die Veranstaltenden
Dr. Peter Wurschi, Thüringer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Videogrußwort des Bundesministers für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Carsten Schneider
Grußwort des Ministeriums für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten Thüringen
Karin Arndt, Staatssekretärin
13:30 Uhr | Keynote Speech
Erinnerungsökologie – Naturschutz in verwundeten Landschaften
Dr. Sonja K. Pieck, Humangeografin, Clark A. Griffith Professur für Umweltstudien am Bates College, Lewiston/ Maine (USA)
Die ehemalige innerdeutsche Grenze, das heutige Grüne Band, kann als eine in vielfacher Hinsicht verletzte Landschaft verstanden werden. Über Jahrzehnte hinweg waren die angrenzenden Regionen sowohl im Osten als auch im Westen von Isolation und strukturellen Benachteiligungen geprägt. Insbesondere im Osten wirkt das gewaltsame Grenzregime der DDR bis in die Gegenwart nach: Grenztote, Zwangsumsiedlungen, die Zerstörung von Höfen und Ortschaften sowie die Trennung von Familien haben tiefe Spuren hinterlassen. Zugleich ist die Aufarbeitung dieser Erfahrungen vielerorts noch nicht abgeschlossen und prägt den heutigen Umgang mit Erinnerung. Für die Natur jedoch wurde das „Niemandsland“ hinter dem Grenzzaun zum Refugium. Doch auch nach über drei Jahrzehnten erfolgreicher Naturschutzarbeit am Grünen Band mit zahlreichen positiven Effekten auf die lokale Landwirtschaft, Wirtschaft und die Regionalentwicklung, gibt es stellenweise noch Ressentiments gegen die Aktivitäten des Naturschutzes am Grünen Band. Im Einführungsvortrag der Humangeografin Dr. Sonja K. Pieck wird das Konzept der Erinnerungsökologie am Grünen Band auch im Hinblick auf eine Nominierung als Welterbe vorgestellt.
14:15 bis 15:30 Uhr | Podiumsgespräch
Das Grüne Band – Ein Leuchtturm der Erinnerungsökologie!?
Dr. Sonja K. Pieck
Uwe Katzenberger (Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten)
Dr. Liana Geidezis (Nationales BUND Kompetenzzentrum Grünes Band)
Dr. Felix Ludwig (Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn)
Moderation: Carlotta Schulz (Stiftung Naturschutz Thüringen)
In Thüringen wurde das Grüne Band bereits 2018 als Nationales Naturmonument unter Schutz gestellt; bis 2023 folgten Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Hessen. Seit Dezember 2023 steht das Grüne Band Deutschland auf der UNESCO-Vorschlagsliste – als Naturerbe. Ziel ist es aber, eine gemischte Welterbestätte mit Natur- und Kulturwerten zu entwickeln. Wie kann das erreicht werden? Kann das Konzept der Erinnerungsökologie hierzu beitragen? Wie steht es bereits jetzt um die praktische Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Erinnerungskultur in den Einrichtungen am Grünen Band?
15:30 Uhr | Kaffeepause, vorher Gruppenfoto
Treffpunkt: Außentreppe des Bauhaushotels
16:15 bis 17:30 Uhr | Podiumsgespräch
Grünes Band in Europa: grenzüberschreitender Naturschutz und Gedenken
Südkorea: Prof. Elizabeth Sikiaridi (Projekt Korean Demilitarized Zone)
Tschechien: Eva Volfová (Umweltbildungsorganisation Ametyst)
Österreich: Florian Danzinger (Umweltbundesamt Österreich)
Deutschland: Dr. Jörg Haspel (ICOMOS Deutschland)
Moderation: Melanie Kreutz (Nationales BUND Kompetenzzentrum Grünes Band)
Das Europäische Grüne Band zieht sich über 12.500 Kilometer von der norwegisch-russischen Grenze nördlich des Polarkreises bis zur Adria und zum Schwarzen Meer. Aus zahlreichen bereits langjährig bestehenden regionalen Aktivitäten zu Schutz und Entwicklung des Grünen Bandes ist eine europäische Initiative entstanden. Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen haben eine gemeinsame Vision formuliert, wie das grenzübergreifende Naturerbe zu erhalten und wiederherzustellen ist und dabei die gemeinsamen Kulturlandschaften miteinander verbindet. Die Erinnerungskultur rückt auch auf der europäischen Ebene immer mehr in den Fokus.
Kann das Einbeziehen der europäischen Ebene dazu beitragen die Chancen auf den Welterbetitel zu erhöhen? Und wie könnte ein europäisches Welterbe Grünes Band umgesetzt werden? Zu Beginn der Gesprächsrunde stellen die Podiumsteilnehmenden in kurzen Beiträgen vor, welchen gesellschaftlichen Stellenwert das Grüne Band in Südkorea, Tschechien, Österreich und Deutschland hinsichtlich einer möglichen Welterbe-Bewerbung hat.
18:30 Uhr | Get-together mit Buffet
20:00 Uhr | Szenische Lesung – Das Grüne Band
Gundula Piepenbring und Olaf Oelstrom
Musikalische Begleitung: Vincent Babl
Konzept und Regie: Thom Gallie
Die szenische Lesung erzählt sehr eindrücklich von der Transformation der ehemaligen innerdeutschen Grenze von einem Ort politischer Gewalt und Abschottung zu einem europaweit einzigartigen Natur- und Erinnerungsraum. Auf Grundlage historischer Dokumente, Zeitzeugenberichte und einprägsamer Bilder wird gezeigt, wie sich entlang des früheren Grenzverlaufs politische Geschichte und ökologische Entwicklung bis heute miteinander verbinden. Mit Musik und Sprache wird ein künstlerischer und emotionaler Zugang zum Grünen Band gewonnen.
Donnerstag, 11. Juni 2026
09:00 bis 10:30 Uhr | Podiumsgespräch
Erinnerungskultur konkret: Das Grüne Band als Ort der Demokratiebildung
Prof. Dr. Hubert Weiger (BUND-Beauftragter für das Grune Band)
Sarah Schröder (Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt)
Stefan Sander (Stiftung Naturschutz Thüringen)
Dr. Christian Stöber (Grenzmuseum Schifflersgrund)
Moderation: Dr. Peter Wurschi
Die Menschen vor Ort gestalten seit über dreieinhalb Jahrzehnten konkret am Grünen Band die Erinnerungskultur und den Naturschutz mit. In Grenzmuseen und Gedenkstätten wird an das brutale Grenzregime wie auch an dessen friedliche Überwindung durch die Menschen in der DDR erinnert. Wie sieht Erinnerungsarbeit entlang des Grünen Bandes aus? Welchen kulturellen Wert besitzt sie? Und was bedeutet eine gemischte Welterbestätte, in der die enge Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur veranschaulicht wird, für die Akteure vor Ort?
10:30 Uhr | Kaffeepause, vorher Gruppenfoto
Treffpunkt: Außentreppe des Bauhaushotels
11:15 bis 12:45 Uhr | Podiumsgespräch
Welterbe ist Ländersache! Das Grüne Band als starkes Symbol der deutschen Teilung und Wiedervereinigung
Thüringen: David Möller (Thüringer Staatskanzlei)
Hessen: Michael Ruhl (Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat)
Sachsen-Anhalt: Dr. Ekkehard Wallbaum (Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt)
- Niedersachsen: Alexandra Stück (Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz)
- Bayern: Wolfram Güthler (Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz)
- Bayern: Dr. Oliver Bär (Landrat Landkreis Hof
Moderation: Christoph Schwarzkopf (ICOMOS Deutschland)
Die Gedenkstättenkonzeption des Bundes benennt das Grüne Band Deutschland als von bundesweiter Bedeutung und unterstützt die Nominierung zum Welterbe der UNESCO. Aber die Entwicklung des Grünen Bandes zu einem Welterbe ist Ländersache! Die ehemalige innerdeutsche Grenze durchzieht heute neun Bundesländer und auch die Berliner Mauer ist ein weltweit bekanntes Symbol für die Teilung der Welt und den friedlichen Wandel.
Was wurde in den Bundesländern bisher erreicht? Wie können Bund und Länder künftig miteinander im Gespräch bleiben und den Welterbegedanken weiter vorantreiben?
12:45 Uhr | Abschluss-Statement der Veranstaltenden
13:00 Uhr | Mittagsimbiss
14:00 Uhr | Wanderung am Grünen Band
mit Marika Kächele (Stiftung Naturschutz Thüringen)
Für Ihre Teilnahme ist eine Anmeldung bis 3. Juni 2026 erforderlich!
Die Anzahl der Plätze ist auf 100 begrenzt.






