Grünes Band Thüringen

Grünes Band Thüringen



Vom Todesstreifen zur Lebenslinie

Als Resultat des Zweiten Weltkrieges war Europa in gegensätzliche politische Lager geteilt.
Zwischen den Hoheitsgebieten der, von den Alliierten besetzten Gebiete entstand eine Grenzlinie vom Nordkap bis ans Schwarze Meer.
Diese Grenze wurde im Lauf der Zeit ihrer Bedeutung und zunehmenden Undurchlässigkeit wegen,  „der Eiserne Vorhang“ genannt. Den höchsten und dabei menschenverachtendsten Ausbaugrad hatte der Eiserne Vorhang in Deutschland. Was in den 1950er Jahren mit einfachem Stacheldraht begonnen hatte, gipfelte in den 1970er und 80er Jahren in einem nahezu undurchdringlichen Bollwerk aus Sperrgebiet, Minenfeldern, Mauern, Zäunen, Stacheldraht und Selbstschussanlagen.
So entstand ein Areal, das wegen des besseren Überblicks stets von Bäumen und höherem Bewuchs freigehalten wurde und jahrzehntelang praktisch menschenleer war.

Auf westdeutscher Seite hingegen konnte man sich dem Grenzzaun ungehindert nähern und hinübersehen und –hören. Irgendwann in den Siebzigern fiel den westlichen Naturkennern und -schützern auf, dass sie aus dem sogenannten „Niemandsland“ zwischen der eigentlichen Grenze und dem ersten Metallgitterzaun Rufe von Vögeln hörten, die in der umgebenden Landschaft kaum noch anzutreffen waren. Daraufhin durchgeführte gezielte Untersuchungen ergaben, dass sich neben seltenen Vogelarten wie Raubwürger, Neuntöter und Braunkelchen auch diverses Niederwild im ungestörten Grenzstreifen angesiedelt hatte.

Zeitgleich mit dem unfassbaren Staunen über die Grenzöffnung am 9. November 1989 wurde den Naturschützern aber auch ganz schnell bewusst, dass die im Schatten dieser unseligen Grenze über Jahrzehnte entstandenen Biotopstrukturen nun hochgradig gefährdet waren. So kam es, dass praktisch unmittelbar nach der Grenzöffnung am 9. Dezember 1989 der Bund Naturschutz zu einem ersten deutsch-deutschen Treffen nach Hof einlud, auf dem eine Resolution zum Schutz und zur Entwicklung des Grenzstreifens beschlossen wurde, die auch heute noch Gültigkeit besitzt. Bereits damals wurde der Begriff des Grünen Bandes geprägt.




Thüringen und das Grüne Band

Der Freistaat Thüringen hat mit 763 km von 1.193 km den größten Anteil am ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifen.

Nach dem Fall der Grenze und der Wiedervereinigung wurden Mitte der 90er Jahre erste Konzepte zur Erhaltung und Entwicklung des Grünen Bandes Thüringen erarbeitet. Seit 1998 gibt es ein Leitbild, welches der Natur den Vorrang einräumt, aber auch die Funktion des Grünen Bandes als Erinnerungslandschaft sowie seine Bedeutung für Fremdenverkehr und Regionalentwicklung in den Blick nimmt. Früh forderten die Bundesländer die Klassifizierung des Grenzstreifens als Teil des Nationalen Naturerbes und Übertragung an die Länder, wobei Thüringen eine federführende Rolle einnahm.

Zum  1.1.2010 gingen in Thüringen die Flächen des Grünen Bandes in das Eigentum der Stiftung Naturschutz Thüringen ein:  etwa 3900 Hektar zersplitterter Grundbesitz, den es im Sinne eines extensiven Offenland-Biotopverbundes zu erhalten und zu entwickeln galt. Dies konnte und kann nur in Zusammenarbeit mit vielen Akteuren gelingen.
Die Landwirtschaftsflächen wurden zur extensiven Nutzung verpachtet, verbuschte Bereiche wieder freigestellt und einer extensiven Grünlandnutzung zugeführt. Und dort wo der Wald das Grüne Band unwiederbringlich zurückerobert hat, betreibt die Stiftung naturnahe Waldwirtschaft und etabliert Sondernutzungsformen wie die Nieder- und Mittelwaldwirtschaft.
All dies geschieht mit dem Ziel, das Grüne Band Thüringen erlebbar zu machen und seine Biotopverbundfunktion zu erhalten bzw. zu entwickeln.

Mit der Ausweisung des Grünen Bandes als Nationales Naturmonument durch die Thüringer Landesregierung am 29. Jahrestags der Grenzöffnung hat die Stiftung Naturschutz Thüringen dessen Trägerschaft übernommen. In dieser neuen Funktion und als  Eigentümerin von etwa der Hälfte der Flächen des ehemaligen Grenzstreifens auf Thüringer Gebiet stehen wir in besonderer Verantwortung für den Erhalt und die Entwicklung dieses längsten Biotopverbundes Deutschlands und einzigartigen Denkmals der deutschen Teilung und Wiedervereinigung.

Unsere Aufgaben und unsere Anstrengungen wachsen.


Er-Wanderung des Grünen Bandes

Weblog einer Wanderin auf dem ehemaligen Grenzweg

Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.
Wir übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen auf der verlinkten Webseite.



Stiftung aktuell und Veranstaltungen

02.11.2019 | Veranstaltung

Baumkreuzaktion bei Ifta

19.10.2019 | Veranstaltung

Grenze offen - Offenland?