Projektdetails

Eigenprojekt: Wiederherstellung und Erhalt der Moorlandschaft "Alperstedter Ried", Landkreis Sömmerda


  • Antragsteller:  
  • finanzieller Gesamtumfang:  540.000,00 EUR
  • Förderung durch die Stiftung Naturschutz Thüringen: 590.000,00 EUR
  • Projektzeitraum: 08/2006 bis 12/2017

Projektbeschreibung

Das Alperstedter Ried ist das größte Kalkflachmoor im Thüringer Becken und Teil des FFH-Gebietes Nr. 41 „Haßlebener Ried-Alperstedter Ried“. Es beherbergt mit der Sumpf-Engelwurz (Angelica palustris), dem Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous), der Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale) und der Schmalen Windelschnecke (Vertigo angustior) vier Anhang II-Arten, für die Thüringen eine besonders große Verantwortung trägt. Bereits im Jahr 1967 wurde das Gebiet mit einer Fläche von 101 ha als Naturschutzgebiet gesichert. Durch Entwässerungsmaßnahmen in den letzten Jahrzehnten und dem Wegfall der Grünlandnutzung entwickelten sich die wertvollen Grünland-Gesellschaften jedoch immer stärker zu artenarmen Schilf-Sukzessionsflächen. Ziel des Naturschutzprojektes ist die möglichst weitgehende Wiederherstellung der natürlichen hydrologischen Verhältnisse. Der Offenlandcharakter des Gebietes und damit auch der Artenbestand sollen durch eine extensive Ganzjahresbeweidung gesichert und verbessert werden. Der Weg dahin war lang. Über Umwege als angedachtes Naturschutzgroßprojekt Anfang der 90er Jahre und einem Eigenprojekt des Landes, das Ende der 90er Jahre begann, stieg die Stiftung Naturschutz Thüringen (SNT) mit der Auflösung der Staatlichen Umweltämter in die Realisierung des Projekts ein. Ein Meilenstein für die Umsetzung des Projektes war die Genehmigung des Flurbereinigungsverfahrens 2011. Im Projektgebiet konnten 37 ha, die durch den Freistaat und 55 ha, die durch die Stiftung Naturschutz Thüringen erworben wurden, ergänzt durch 30 ha, die der SNT vom Bund übertragen wurden, so gelegt werden, dass Eingriffe in den Wasserhaushalt ohne wirtschaftliche Nachteile für Eigentümer und Nutzer realisiert werden konnten. Ein Pluspunkt des Verfahrens liegt auch darin, dass ein erheblicher Anteil der Projektkosten aus Mitteln der Flurneuordnung kofinanziert wird. Die SNT hat selbst ca. 597.000 € aus Mitteln der Ausgleichsabgabe, Spenden und Fördermitteln investiert. Das Projetgebiet setzt sich aus dem westlichen Teil des Naturschutzgebiets und 44 ha angrenzenden Niedermoor-Ackerflächen zusammen. Im Herbst 2015 startete die Umsetzungsphase. Die 44 ha Acker wurden mittels Mahdgutübertragung und Ansaat von Regiosaatgut in Grünland umgewandelt. Insgesamt 115 ha wurden mit Weidetechnik und einem 6,5 km langen Weidezaun ausgestattet. Im Oktober 2015 kamen die ersten zehn Exmoor-Ponys auf die Fläche. Inzwischen hat sich deren Bestand auf 20 Tiere erhöht. Sechs karpatische Wasserbüffel suhlen sich in den neugeschaffenen Tümpeln und ca. 40 Stück Harzer Rotvieh, eine gefährdete, robuste Haustierrasse vervollständigen die Fresser auf der Ganzjahresweide. Um dem Niedermoor seinen natürlichen Wasserstand zurückzugeben, wurden im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens in Alperstedt künstlich angelegte Entwässerungsgräben geschlossen. Durch das steuerbare Wehr, das am Hauptabflussgraben installiert wurde, wird das aus Niederschlägen und mooreigenen Quellen gespeiste Mischwasser im Gebiet gehalten. Die günstige Lage ermöglicht zusätzlich einen Rückstau auf weite Flächen. Der Moorkörper konnte sich so vollsaugen. Mittlerweile ist ein ornithologisch wertvolles Mosaik aus Wasser und Schlammflächen entstanden. Das Moor kann seine Funktion als Co2-Senke erfüllen. Weitere künstlich angelegte Feuchtmulden bereichern das Gebiet u.a. für Bodenbrüter und Amphibien. Um die Erfolge zu dokumentieren, aber auch Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen, hat die Stiftung Naturschutz Thüringen zusammen mit der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie ein Monitoringprogramm aufgebaut: Neben vegetationskundlichen Dauerbeobachtungsflächen, werden Vögel, Amphibien, Zikaden sowie Tag- und Nachtfalter in einem regelmäßigen Turnus erfasst. Ab 2019 wird das Monitoring mit der Erfassung von Heuschrecken und Libellen ergänzt. Auch die Entwicklung des Wasserstands wird mit Hilfe von Kontrollpegeln überwacht und kann Rückschlüsse auf die Entwicklung der Flächen liefern. 2017 konnten zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder Kiebitze im Ried erfolgreich brüten. Auch weitere Bodenbrüter, wie Bekassinen und Wiesenpieper sind seither regelmäßig über die gesamte Brutzeit im Ried anwesend. Neben der Vernässung hat die Erhöhung der Strukturvielfalt durch die Beweidung die Habitatbedingungen für Vögel und viele weitere Artengruppen entscheidend verbessert. Die wichtigsten Partner für die SNT sind neben der Flurbereinigungsverwaltung, der Träger des Beweidungsprojektes die ARUA-Agrar GmbH, die Gemeinde und örtliche Bevölkerung, die mit vielen Freiwilligeneinsätzen das Projekt unterstützen. Das Interesse der breiten Bevölkerung an der Entwicklung des Gebietes ist enorm. Die SNT führt im Rahmen ihrer Umweltbildung regelmäßig Führungen im Projektgebiet durch. Die Nachfrage ist inzwischen so hoch, dass extra für Beweidungsprojekte Natur- und Landschaftsführer u.a. von der SNT ausgebildet wurden, die hier unterstützend mitwirken. Mit der Fertigstellung des Moorerlebnispfades im Sommer 2019 können die Besucher sich dann selbst informieren. Bereits jetzt werden der Aussichtshügel, der Vogelbeobachtungsturm und der Bohlenweg rege genutzt. Teile des Moorerlebnisweg z.B. der Aussichtshügel wurde bereits 2018 fertiggestellt. Der Vogelbeobachtungs-turm und der Bohlenweg wurden Anfang März 2019 in Betrieb genommen. Die letzten Einrichtungen und Tafeln werden im Juni 2019 installiert. Im Juli soll zusammen mit der Gemeinde, die die Besuchereinrichtungen betreuen wird, die Eröffnung des Rundweges gefeiert werden. Da es sich um ein sehr wertvolles Gebiet handelt, ist die Besucherlenkung und Information besonders wichtig, um Nutzungskonflikte zu vermeiden. Es muss um Verständnis geworben werden, dass die Besucher auf den Wegen bleiben, Abstand von den Weidetieren halten und sind die Besucher zu sensibilisieren, dass die Pflanzen- und Tierwelt hier Vorrang haben. Gleichzeitig soll den Besuchern die Möglichkeit gegeben werden, das blütenreiche Moor voller Leben mit allen Sinnen zu erfassen. Der Rundweg, der Aussichtshügel oder der Vogelbeobachtungsturm soll Naturliebhabern und Erholungssuchenden faszinierende Einblicke in die verschiedenen Lebensräume des Gebietes und die Wilden Weiden ermöglichen. Ziel ist es das Bewusstsein für den notwendigen Schutz von Natur und Landschaft durch positive Erlebnisse in selbiger zu erhöhen und den Wert der Natur, auch durch das Erleben von Weidetieren in ihrem natürlichen Verhalten, am eigenen Leib zu spüren. Um die verschiedenen Sinne anzuregen und damit den Blick und das Gehör für die Naturerscheinungen zu schärfen, sollen Hör- und Aussichtsfernrohre entlang des Rundweges bzw. auf den erhöhten Punkten installiert werden. Mehrere Stationen mit Infotafeln informieren über das Leben im Moor und auf der Weide. In einen kleinen Flyer können die Besucher die wichtigsten Informationen mit nach Hause nehmen. Postkarten für die Grüße aus dem Ried dienen als Werbematerial für die Wilden Weiden in der Moorlandschaft Alperstedter Ried.


Schneidried - eine typische Art der Kalkflachmoore Mit dem Wegfall der Grünlandnutzung bilden sich Großseggen- und Schilfbestände. Exmore-Ponies als vierbeinige Landschaftspfleger Nachwuchs bei den Exmore-Ponies


Dieses Projekt gehört zum Hauptprojekt: "Eigene Projekte der Stiftung (SNT)"


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