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Alte Waldnutzungsform lebt auf - Der Niederwald im Grünen Band bei Geisa bietet in Zukunft wieder vielen Arten wertvollen Lebensraum

Im Grünen Band in den Gemarkungen Reinhards und Geismar finden in den nächsten Wochen Arbeiten auf den Flächen der Stiftung Naturschutz Thüringen statt. Auf jeweils rund einem Hektar soll Niederwald entstehen. Schon 2016 war bei Geismar auf einer benachbarten Fläche ein Niederwald angelegt worden. Mit den aktuellen Fällarbeiten führt die Stiftung jetzt das langfristig angelegte Niederwaldprojekt weiter. Der Gehölzaufwuchs soll alle 10 bis 20 Jahre flächig “geerntet“ werden. Die nachwachsenden Bäume werden also nicht alt, erreichen nur eine geringe Höhe und bilden einen Niederwald. Absicht des Projektes ist es, wieder Lebensraum für viele seltene und bedrohte Arten zu schaffen.

Der Niederwald entwickelte sich im 10. Jahrhundert. Er ist eine der ersten Formen der geregelten Forstwirtschaft. Die Waldfläche wird in gleiche Teile aufgegliedert, die reihum bewirtschaftet werden und bei denen nach 15 Jahren wieder mit der Nutzung der ersten Teilfläche begonnen wird. Die dabei entstehende Forststruktur wird Flächenfachwerk genannt. Der Niederwald entstand aus dem seinerzeit wachsenden Brennholzbedarf in Dörfern und Städten. Heute ist der Brennholzbedarf weit geringer als noch vor Hunderten von Jahren. Weniger als 1% der Fläche Deutschlands weist heute Niederwald auf.

Mit dem "Niedergang" der Niederwaldwirtschaft gingen auch Lebensräume für Tiere und Pflanzen verloren, die in gleichem Maße Licht wie Schatten benötigen. Solchen Arten ist es im Hochwald zu dunkel und auf Wiesenflächen zu strukturarm. In den ersten Jahren nach der Holzernte werden sich neben vielen selten gewordenen Pflanzen, wie Orchideen, Türkenbund, Heidekraut und Seidelbast vor allem zahlreiche Spinnen- und Insektenarten, wie Schmetterlinge und Ameisen in den entstandenen lichten Bereichen ansiedeln und ausbreiten. Dies zieht Vogelarten wie Neuntöter, Raubwürger, Heckenbraunelle, Rebhuhn und Waldschnepfe in die offenen Flächen des Niederwaldes, die vom Insektenreichtum profitieren. Mit zunehmendem Aufwuchs der Bäume werden Hase, Rehwild und Wildkatze Deckung und Nahrung im Wald finden. Und bevor es zu einem geschlossenen Kronendach und einer kompletten Verschattung des Areals kommt, beginnt nach 15 Jahren mit der nächsten Holzernte der Zyklus der Artenvielfalt von neuem.

Die Flächen im Grünen Band gehören zu den ca. 4000 ha, die der Stiftung Naturschutz Thüringen als Naturerbes ins Eigentum übertragen wurden. Damit verbunden ist der Auftrag, diese Flächen als länderübergreifenden Biotopverbund und als Mahnmal deutscher Geschichte zu erhalten und zu entwickeln.

Ansprechpartner: Luise Wermeter luise.wermeter@snt.thueringen.de

Niederwaldprojekt in der Gemarkung Ifta im August 2017 – ein halbes Jahr nach einer Freistellung. Foto: SNT

Schon 2016 war bei Geismar entlang des Kolonnenwegs eine circa 1 km große Fläche freigestellt worden, die nun als Niederwald genutzt werden soll. Foto: SNT