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Artenvielfalt Niederwald – Pflegemaßnahmen für die Kreuzotter

Der Niederwald im Grünen Band bei Hermannsfeld bietet in Zukunft wieder vielen Arten wertvollen Lebensraum.

Im Grünen Band in der Gemarkung Hermannsfeld finden in den kommenden Wochen Arbeiten auf den Flächen der Stiftung Naturschutz Thüringen statt. Insgesamt ist die Projektfläche rund 4,3 ha groß. In diesem Jahr soll zunächst auf rund einem Hektar Niederwald entstehen. In einem ca. zehnjährigen Turnus ist geplant, drei weitere Abschnitte folgen zu lassen. Der entstehende Aufwuchs der Gehölze wird dann ebenfalls wieder flächig “geerntet“. Die nachwachsenden Bäume werden also nicht alt, erreichen nur eine geringe Höhe und bilden einen Niederwald.
Absicht des Projektes ist es, wieder Lebensraum für viele seltene und bedrohte Arten zu schaffen. Ganz konkret soll hier auch eine Verbesserung des Lebensraums für die Kreuzotter erreicht werden. Dazu werden im Rahmen der Maßnahme Strukturelemente, wie Reisighaufen und Totholz, auf der Fläche belassen bzw. angelegt.
Die Kreuzotter ist ein Bewohner der Randbereiche zwischen offener und bewaldeter Landschaft. Sie ist auf ein kleinflächiges Muster verschiedener Strukturelemente angewiesen, um sowohl Versteck-, Überwinterungs-, und Sonnenplätze sowie Nahrungsreviere aufsuchen zu können.

Der Niederwald als solcher entwickelte sich im 10. Jahrhundert. Er ist eine der ersten Formen der geregelten Forstwirtschaft. Die Waldfläche wird in gleiche Teile aufgegliedert, die reihum bewirtschaftet werden und bei denen nach einigen Jahren wieder mit der Nutzung der ersten Teilfläche begonnen wird. Die dabei entstehende Forststruktur wird Flächenfachwerk genannt. Der Niederwald entstand aus dem seinerzeit wachsenden Brennholzbedarf in Dörfern und Städten. Weniger als 1% der Fläche Deutschlands weist heute Niederwald auf.

Mit dem "Niedergang" der Niederwaldwirtschaft gingen auch Lebensräume für Tiere und Pflanzen verloren, die in gleichem Maße Licht wie Schatten benötigen. Solchen Arten ist es im Hochwald zu dunkel und auf Wiesenflächen zu strukturarm. In den ersten Jahren nach der Holzernte werden sich neben vielen selten gewordenen Pflanzen, wie Orchideen, Türkenbund, Heidekraut und Seidelbast vor allem zahlreiche Spinnen- und Insektenarten, wie Schmetterlinge und Ameisen in den entstandenen lichten Bereichen ansiedeln und ausbreiten. Dies zieht Vogelarten wie Neuntöter, Raubwürger, Heckenbraunelle und Waldschnepfe in die offenen Flächen des Niederwaldes, die vom Insektenreichtum profitieren. Auch Reptilien und Amphibien nutzen diese Bereiche gerne. Mit zunehmendem Aufwuchs der Bäume werden Hase, Rehwild und Wildkatze Deckung und Nahrung im Wald finden. Und bevor es zu einem geschlossenen Kronendach und einer kompletten Verschattung des Areals kommt, beginnt mit der nächsten Holzernte der Zyklus der Artenvielfalt von neuem.