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Ein besonderer Tag der Erinnerung im Grünen Band in Ellrich

Informationen zum 75. Jahrestag der Befreiung des KZ Außenlagers Ellrich-Juliushütte

Vor 75 Jahren wurde das KZ Außenlager Ellrich-Juliushütte von der Naziherrschaft befreit. Die dazu geplanten Gedenkveranstaltungen müssen aufgrund der aktuellen Situation leider entfallen. In einem stillen Akt werden die Bürgermeister von Ellrich und Walkenried einen Kranz niederlegen. Zudem sollen am 06.04. um 11:00 Uhr die Kirchenglocken der Kirchgemeinden Ellrich und Walkenried gegen das Vergessen läuten und jeder kann sich an das Leid tausender Häftlinge erinnern, das sich so nie wieder wiederholen darf.
Vom 4. bis zum 6. April 1945 wurde das KZ Außenlager Ellrich-Juliushütte von den Nazis geräumt, bevor amerikanische Truppen Ellrich am 12. April 1945 erreicht hatten. In Bahntransporten wurden 4000 Häftlinge in das KZ Bergen-Belsen transportiert und 3000 in das Außenlager Heinkel-Werke des KZ Sachsenhausen. Viele überlebten den teilweise Tage dauernden Transport nicht.

Erst Anfang Mai 1944 wurde auf dem Gelände von zwei geschlossenen Gipsfabriken in Ellrich und Juliushütte das Arbeitslager Erich errichtet. Unter Menschen verachtenden Bedingungen wurden bis zu 9.000 Häftlinge gleichzeitig in alten Fabrikgebäuden ohne sanitäre Anlagen, ohne ausreichend Kleidung und Nahrung untergebracht. Von den 12.000 erfassten Häftlingen verstarben 4.000 an Hunger, an Entkräftung, an Seuchen oder sie erfroren in weniger als einem Jahr. Als Bauarbeiter sollten die Häftlinge u.a. Stollen in den  Kohnstein und in den Himmelsberg treiben. In diesen unterirdischen Stollen sollte die Kriegsmaschinerie der Nazis vor Bombenangriffen geschützt werden.

Nach dem Krieg überlagerte die deutsche Teilung eine Auseinandersetzung mit der Lagergeschichte. Das ehemalige KZ-Gelände wurde von der deutsch-deutschen Grenze durchschnitten. Auf der DDR-Seite begannen die Grenzer 1952 ehemalige Lagergebäude abzutragen und einen Stacheldrahtzaun durch das Lager zu ziehen. Die im Westen erhaltenen Bauten, darunter das Krematorium und Krankenlager sprengte der Bundesgrenzschutz 1964. Nur wenige bauliche Relikte am Bahnhof von Ellrich sind bis heute erhalten. Die Stiftung Naturschutz Thüringen hat diese Relikte auf etwa einem Drittel des ehemaligen Konzentrationslagers mit Flächen des Grünen Bandes vom Bund übernommen.

Als Trägerin des Nationalen Naturmonuments „Grünes Band Thüringen“ hat die SNT nicht nur den Auftrag das Grüne Band naturschutzfachlich zu erhalten und zu entwickeln, sondern ist auch verpflichtet die ehemalige Grenze als einzigartige Erinnerungslandschaft an die Deutsch-Deutsche Teilung und als Mahnmal zu bewahren. In Ellrich kommt noch ein weiteres geschichtliches Erbe dazu. Deshalb wurde 2019 unter der Beteiligung der Stiftung Naturschutz Thüringen eine länderübergreifende Arbeitsgruppe gegründet, die das ehemalige KZ Außenlager als Lern- und Gedenkort gestalten will.

 

 

Reste eines ehemaligen Fabrikgebäudes. Er diente als Block 4 der Unterbringung von Häftlingen. Foto: SNT