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Übertragung der Nationalen Naturerbefläche Rüdigsdorf an die SNT

Bei der Auftaktveranstaltung für das Hotspotprojekt  „Gipskarst Südharz – Artenvielfalt erhalten und erleben“ am 01.06.2018 wurde nicht nur der Beginn eines der größten Projekte Thüringens zur biologischen Vielfalt gefeiert, sondern auch die Übertragung von 98 ha Flächen des Nationalen Naturerbes von der  Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) an die Stiftung Naturschutz Thüringen (SNT).
Seit dem 1. Mai ist die SNT Eigentümerin von 98 ha naturschutzfachlich  wertvollen Flächen in der Gipskarstlandschaft des Südharzes. Die Naturerbeflächen weisen naturnahe Laubmischwälder mit hohem Buchenanteil, Magerrasen mit einzelnen Verbuschungen, Felsschutthalden und Höhlen, Quellbereiche, sowie Frisch- und Feuchtwiesen auf.

Wie wertvoll die Flächen sind, zeigt die Fülle von Schutzgebieten, mit denen das Gebiet belegt ist. Dazu zählen zum Beispiel die Naturschutzgebiete „Rüdigsdorfer Schweiz“ und „Harzfelder Holz“ oder das Vogelschutzgebiet „Südharzer Gipskarst“ sowie das FFH-Gebiet „Rüdigsdorfer Schweiz – Harzfelder Holz –Hasenwinkel“. Außerdem gehört der Südharzer Zechsteingürtel zu den 30 Hotspots der biologischen Vielfalt in Deutschland.

Schon während des Übertragungsprozesses entwickelte die SNT ein Leitbild für die Naturerbefläche Rüdigsdorf. Innerhalb der nächsten  fünf Jahre wird sie den sogenannten „Naturerbeentwicklungsplan“ erarbeiten, der Vorgaben für die weitere Entwicklung und Sicherung der Flächen beinhaltet. Mit dem Natura 2000-Managementplan zum Offenland aus dem Jahr 2014 und dem Fachbeitrag „Wald“, der gerade im Entstehen ist, liegen bereits wichtige Daten vor.
Erhaltung und Entwicklung von Naturwäldern gehören zu den wichtigsten Aufgaben bei Naturerbeflächen. In Rüdigsdorf kann die SNT auf relativ naturnahe Waldbestände zurückgreifen. Sie setzt somit ihr erstes Ziel aus dem Leitbild sofort um, indem sie die forstwirtschaftliche Nutzung komplett aufgibt und die Flächen dem Prozessschutz überlässt. Mit diesem Schritt will die Stiftung nicht nur Habitate für Totholzkäfer, Fledermäuse, Spechte u.a. schaffen, sondern auch Karsterscheinungen und empfindliche Böden vor der Zerstörung bewahren. Außerdem hofft sie, mit diesem Schritt auch Waldnachbarn zum Mitmachen zu animieren. Es muss ja nicht gleich eine Null-Nutzung sein, aber ein bisschen mehr Totholz auf der Fläche trägt wesentlich zur Förderung der Artenvielfalt bei.

Waldwildnis ist auch ein Thema, das im Hotspotprojekt des Landschaftspflegeverbandes Südharz/Kyffhäuser e.V. bereits angedacht ist. Ein Wildniserlebnispfad in der Naturerbefläche Rüdigsdorf soll die Menschen wieder unberührte Natur erleben lassen.
Neben dem Wald spielen auch ca. 20 ha Offenlandflächen eine Rolle; diese werden bereits beweidet. Die SNT setzt hier auf eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den jetzigen Bewirtschaftern. Sie will die Weiden allerdings um eine kleine Fläche erweitern, nämlich die der sogenannten „Schnaitelbuchen“. Es gibt im Gebiet eine sehr seltene historische Nutzungsform, bei der Hainbuchen über Jahrzehnte beschnitten wurden.  Sie sehen heute wie genutzte Kopfweiden auf. Seit Jahren arbeitet die Naturparkverwaltung daran, die alten Bäume in dieser seltenen Nutzungsform zu erhalten.

Außerdem wird der Artenschutz wird eine wichtige Rolle spielen.
Im Gebiet existiert ein eng begrenztes Vorkommen der Gelbbauchunke, das als einziger Primärstandort Thüringens bekannt ist. Primär heißt in diesem Fall, dass natürliche Quell- und Druckwasserstellen die Lebensräume darstellen (im Unterschied zu temporären Gewässern, wie sie zum Beispiel beim Bodenabbau entstehen). Gleichzeitig ist es das nordöstlichste bekannte Vorkommen. Die SNT hat bereits mit der Natura2000-Station „Auen, Moore, Feuchtgebiete Thüringenweiter Amphibien- und Reptilienschutz“ Kontakt aufgenommen, um dieses Vorkommen auf den Flächen der SNT zu stützen.

Hintergrund:
Das Nationale Naturerbe in Deutschland ist eine wahre Erfolgsgeschichte.
Fast 156.000 ha hat der Bund inzwischen an Länder, Stiftungen, Verbände, Vereine übertragen oder entwickelt die Flächen selbst im Rahmen der Bundeslösung. Die Stiftung Naturschutz Thüringen (SNT) ist dabei als Akteur in Thüringen ein verlässlicher und bewährter Partner.

Bereits zum 01.01.2010 übertrug die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) der SNT 3850 ha im Grünen Band. Die SNT plant, entwickelt, entbuscht, schützt Arten, vernetzt Lebensräume und Menschen, sucht und findet Partner vor Ort, schließt Lücken, saniert den Kolonnenweg, erhält historische Erinnerungen an die Grenze und vieles mehr.

Per Vermögenszuordnung erhielt die SNT zum ersten Februar 2015 weitere 130 ha von einer weiteren Tochter des Bundes, der BVVG (Bodenverwertungs- und -verwaltung GmbH) Mit 100 ha konnten Lücken am GB gestopft werden. 30 ha liegen im Projektgebiet Alperstedter Ried, einem Projekt der SNT direkt vor den Toren Erfurts

Ansprechpartner: Ingrid Werres - ingrid.werres@tlug.thueringen.de