Wiederherstellung und Erhalt der Moorlandschaft "Alperstedter Ried"

  • Ort: Landkreis Sömmerda, Gemeinden Alperstedt, Haßleben
  • Laufzeit:  Beginn des Projekts August 2006, Umsetzung bauliche Maßnahmen ab 2015; Steuerung temporäre Vernässungen, Weideregime, Erfolgskontrolle dauerhaft
  • Finanzierung: 597.000 € Ersatzzahlung, 460.000 € Flurneuordnung, 60.000 € CO2 Handel, 22.555 € Mitteln zur Förderung von Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege in Thüringen (NALAP), Spenden
  • Wir helfen/schützen hiermit: Erhalt einer Sonderform eines Niedermoores -eines Kalkdurchströmungsmoores- mit seinen Pflanzen und Tieren

 

Das Alperstedter Ried ist das größte Kalkflachmoor im Thüringer Becken und Teil des FFH-Gebietes Nr. 41 „Haßlebener Ried-Alperstedter Ried“. Es beherbergt mit der Sumpf-Engelwurz, dem Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling, der Helm-Azurjungfer und der Schmalen Windelschnecke vier FFH-Anhang II-Arten, für die Thüringen eine besonders große Verantwortung trägt. Bereits im Jahr 1967 wurde das Gebiet mit einer Fläche von 101 ha als Naturschutzgebiet gesichert. Durch Entwässerungsmaßnahmen in den letzten Jahrzehnten und dem Wegfall der Grünlandnutzung entwickelten sich die wertvollen Grünland-Gesellschaften jedoch immer stärker zu artenarmen Schilf-Sukzessionsflächen. Ziel des Naturschutzprojektes ist die möglichst weitgehende Wiederherstellung der natürlichen hydrologischen Verhältnisse. Der Offenlandcharakter des Gebietes und damit auch der Artenbestand sollen durch eine extensive Ganzjahresbeweidung gesichert und verbessert werden. Der Weg dahin war lang. Über Umwege als angedachtes Naturschutzgroßprojekt Anfang der 90er Jahre und einem Eigenprojekt des Landes, das Ende der 90er Jahre begann, stieg die Stiftung Naturschutz Thüringen (SNT) 2006 in die Realisierung des Projekts ein.

Ein Meilenstein für die Umsetzung des Projektes war die Genehmigung des Flurbereinigungsverfahrens 2011. Im Projektgebiet konnten 37 ha, die durch den Freistaat und 55 ha, die durch die Stiftung Naturschutz Thüringen erworben wurden, ergänzt durch 30 ha, die der SNT vom Bund übertragen wurden, so gelegt werden, dass Eingriffe in den Wasserhaushalt ohne wirtschaftliche Nachteile für Eigentümer und Nutzer realisiert werden konnten. Ein Pluspunkt des Verfahrens liegt auch darin, dass ein erheblicher Anteil der Projektkosten aus Mitteln der Flurneuordnung kofinanziert wird. Die SNT hat selbst Mitteln der Ausgleichsabgabe, Spenden, Förderung und CO2- Handel investiert. Das Projektgebiet setzt sich aus dem westlichen Teil des Naturschutzgebiets und angrenzenden Niedermoor-Ackerflächen zusammen.

Im Herbst 2015 startete die Umsetzungsphase. 44 ha Ackerfläche wurden mittels Mahdgutübertragung und Ansaat von Regiosaatgut in Grünland umgewandelt. Insgesamt 115 ha wurden mit Weidetechnik und einem 6,5 km langen Weidezaun ausgestattet. Im Oktober 2015 kamen die ersten zehn Exmoor-Ponys auf die Fläche. Eine kleine Gruppe von karpatischen Wasserbüffeln suhlt sich in den neugeschaffenen Tümpeln und eine Herde von Harzer Rotvieh, eine gefährdete, robuste Haustierrasse vervollständigt die Fresser auf der Ganzjahresweide. Um dem Niedermoor seinen natürlichen Wasserstand zurückzugeben, wurden im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens in Alperstedt Entwässerungsgräben geschlossen. Durch das steuerbare Wehr, das am Hauptabflussgraben installiert wurde, wird das aus Niederschlägen und mooreigenen Quellen gespeiste Mischwasser im Gebiet gehalten. Die günstige Lage ermöglicht zusätzlich einen Rückstau auf weite Flächen. Der Moorkörper konnte sich so vollsaugen. Mittlerweile ist ein ornithologisch wertvolles Mosaik aus Wasser und Schlammflächen entstanden. Das Moor kann seine Funktion als Co2-Senke erfüllen. Weitere künstlich angelegte Feuchtmulden bereichern das Gebiet u.a. für Bodenbrüter und Amphibien.

Um die Erfolge zu dokumentieren, aber auch Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen, hat die Stiftung Naturschutz Thüringen zusammen mit der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie ein Monitoringprogramm aufgebaut: Neben vegetationskundlichen Dauerbeobachtungsflächen, werden Vögel, Amphibien, Zikaden sowie Tag- und Nachtfalter in einem regelmäßigen Turnus erfasst. Auch die Entwicklung des Wasserstands wird mit Hilfe von Kontrollpegeln überwacht und kann Rückschlüsse auf die Entwicklung der Flächen liefern. 2017 konnten zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder Kiebitze im Ried erfolgreich brüten. Auch weitere Bodenbrüter, wie Bekassinen und Wiesenpieper sind seither regelmäßig über die gesamte Brutzeit im Ried anwesend. Neben der Vernässung hat die Erhöhung der Strukturvielfalt durch die Beweidung die Habitatbedingungen für Vögel und viele weitere Artengruppen entscheidend verbessert.

Die wichtigsten Partner für die SNT sind neben der Flurbereinigungsverwaltung, der Träger des Beweidungsprojektes die ARUA-Agrar GmbH, die Gemeinde und die örtliche Bevölkerung, die mit vielen Freiwilligeneinsätzen das Projekt unterstützen. Das Interesse der breiten Bevölkerung an der Entwicklung des Gebietes ist enorm. Die SNT führt im Rahmen ihrer Umweltbildung regelmäßig Führungen im Projektgebiet durch. Die Nachfrage ist inzwischen so hoch, dass extra für Beweidungsprojekte Natur- und Landschaftsführer u.a. von der SNT ausgebildet wurden, die hier unterstützend mitwirken.

Da es sich um ein sehr wertvolles Gebiet handelt, ist die Besucherlenkung und Information besonders wichtig. Die Besucher sind zu sensibilisieren, dass die Pflanzen- und Tierwelt hier Vorrang hat. Gleichzeitig soll ihnen die Möglichkeit gegeben werden, das blütenreiche Moor voller Leben mit allen Sinnen zu erfassen. Sie sollen den Bezug zur Natur und deren Nutzung durch das Erleben von Weidetieren in ihrem natürlichen Umfeld selbst zu erfahren. Das alles ist auf dem Moorerlebnispfad möglich. Auf einen 3 km langen Weg mitten durch die Weidetiere können Naturinteressierte vom Aussichtshügel oder dem Beobachtungsturm aus, Vögel beobachten. Über den Bohlenweg kann man die Natur Haut nah erleben. Informationsschilder und ein Flyer informieren über das Beweidungsprojekt, den Arten- und Biotopschutz im Gebiet, die Geschichte und des Zwecks des Moores.

Mit der Vermarktung des „Alperstedter Weidefleisches“ zusammen mit einem lokalen Metzgereibetrieb steigert der Agrarbetrieb nicht nur die Wirtschaftlichkeit des Beweidungsprojektes, sondern auch die Bekanntheit des Projektes. Mit eigenen Nutzflächen will der Betrieb die Weideflächen in die Grammeaue hinein erweitern.

Das Projekt wird nie beendet sein. Die Wasserverhältnisse müssen auch zukünftig gesteuert werden, die Beweidungsintensität angepasst werden und die Entwicklung des Gebietes beobachtet werden.

 


zurück zur Übersicht