21 Bechsteinfledermaus

Myotis bechsteinii

“Die Bechsteinfledermaus ist eine Leitart für den Waldnaturschutz – stellvertretend für den Erhalt alter (Ur)Wälder und waldgebundener Arten!”

  • Foto: Gaetano Fichera
  • Foto: Mbec
  • Fundort: Bad Sulza Luftschutzbunker (Foto: Bbar)

Gruppierung: Flermäuse

Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)

Familie: Glattnasen (Vespertilionidae) 

Gattung: Mausohren (Myotis)

Unsere Projektgebiete: Naturerbefläche Rüdigsdorfer Schweiz

Wie sieht sie aus?

Die Bechsteinfledermaus ist eine mittelgroße Fledermausart mit auffällig langen Ohren. Im Gegensatz zu den beiden Langohrarten sind ihre Ohren nicht an der Basis miteinander verbunden. Ihr Rückenfell ist braun, bis rötlich braun, die Bauchseite hellbeige oder grau. Die Schnauze ist rötlich braun, die restlichen Hautpartien hellbraun gefärbt. Der Tragus, ein wichtiges Bestimmungsmerkmal für Fledermausarten, ist lang und reicht etwa bis zur halben Ohrlänge.


Wo helfen wir ihr?

Die Bechsteinfledermaus wird auch als „Urwaldfledermaus" bezeichnet – und das nicht ohne Grund. Ihr Lebensraum sind alte Wälder, die älter als 130 Jahre sind. Diese machen allerdings nur einen geringen Teil der deutschen Forstfläche aus, sind aber für den Schutz dieser Art überlebenswichtig. Ihr Erhalt und eine gezielte Förderung durch Nutzungsverzicht sind daher unerlässlich. In der Rüdigsdorfer Schweiz wurde die forstwirtschaftliche Nutzung auf den Stiftungsflächen vollständig eingestellt – dort dürfen sich die Wälder ohne menschliche Eingriffe frei entwickeln.

Wo lebt sie?

Die Bechsteinfledermaus lebt in strukturreichen Laub- und Mischwäldern mit hohem Alt- und Totholzanteil. Als Waldfledermaus bewohnt sie Spechthöhlen oder Faulstellen, nutzt aber auch Fledermauskästen. Sommer- und Winterquartiere liegen meist dicht beieinander. Da sie die Quartiere alle 2 - 3 Tage wechselt, benötigt sie ein entsprechendes Höhlenangebot. In einem Sommer werden bis zu 50 Quartiere aufgesucht. Ihre Jagdgebiete liegen im dichten Unterwuchs naturnaher Wälder, wo sie mit wendigem Flug Insekten wie Käfer, Spinnen und Nachtfalter fängt.


Wusstest du?

Ein Viertel des Weltbestandes lebt in Deutschland – damit trägt unser Land besondere Verantwortung für diese Art. Die Bechsteinfledermaus gilt als Leitart des Waldnaturschutzes: Wo sie vorkommt, sind die Wälder noch alt, naturnah und wertvoll.

Die Nationalen Naturerbeflächen haben genau das zum Ziel: Bundeseigene, wertvolle Naturschutzflächen dem Wirtschaftsdruck zu entziehen und Waldwildnis zuzulassen. Hierfür wurden sie unentgeltlich zur dauerhaften naturschutzfachlichen Sicherung an Länder, Stiftungen und Naturschutzorganisationen übergeben, wie in diesem Fall die Rüdigsdorfer Schweiz an die Stiftung Naturschutz Thüringen.

Wie gefährdet ist sie?

Die Bechsteinfledermaus gilt als stark gefährdet und steht sowohl in Deutschland als auch in Thüringen auf der Roten Liste (Kategorie 2). Sie ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt und fällt unter Anhang II und IV der FFH-Richtlinie der EU. Da die Art besonders schwer nachzuweisen ist, fällt sie häufig Holzeinschlägen zum Opfer. Im Gegensatz zu anderen Fledermausarten überquert die Bechsteinfledermaus Straßen und Freiflächen in Bodennähe, weshalb sie erheblichen Gefahren ausgesetzt ist.


Unser Tipp!

Für Fledermaus-Enthusiasten und Interessierte lohnt sich ein regelmäßiger Blick auf die Webseite der Stiftung FLEDERMAUS. Hier findet man eine vielfältige Auswahl an Veranstaltungen – von spannenden Vorträgen über geführte Exkursionen bis hin zu praxisnahen Workshops.

Bilder: ©Stiftung FLEDERMAUS