09 Braunkehlchen
Saxicola rubetra
„Das Bild des Braunkehlchens auf dem Grenzpfosten steht symbolisch für den Naturschatz, der sich in der Abgeschiedenheit der innerdeutschen Grenze entwickelt hatte. Sein auffälliges Vorkommen sorgte mit dafür, dass das Grüne Band heute in Thüringen als Nationales Naturmonument unter Schutz steht.“
Gruppe: Vögel
Gattung: Wiesenschmätzer (Saxicola)
Aktivität: Ab Mitte April zurück aus dem Winterquartier
Unser Projektgebiet: Grünes Band bei Mendhausen

Wie sieht es aus?
Das Braunkehlchen erreicht eine Körpergröße von 12 bis 14 cm. Seinen Namen trägt es aufgrund seiner bräunlich orangen Brust, auf dem Rücken ist das Federkleid unauffällig braun gefärbt. Ein wichtiges Erkennungsmerkmal für das Braunkehlchen ist der helle Streifen, den es über dem Auge trägt. Dies bringt ihm den Spitznamen „Wiesenclown“ ein.
Wo helfen wir ihm?
Das seltene Braunkehlchen gilt als Leitart des Grünen Bandes. Früher nutzten Braunkehlchen Grenzpfosten als Ansitzwarten. Ihr häufiges Auftreten konnte vom Westen aus beobachtet werden. Es war Ausgangspunkt für die Bemühungen des BUND, das Grüne Band dauerhaft als Biotopverbund zu schützen.
Heute reichen selbst extensiv genutzte Wiesen oft nicht mehr aus. Von acht zoologischen Monitoring-Flächen im Grünen Band konnten wir 2024 nur noch in Mendhausen ein Braunkehlchen-Revier kartieren. Das Vogelmonitoring wird seit 2022 durch ehrenamtliche Kartierer nach der bundesweiten Methode des Monitorings häufiger Brutvögel in Schutzgebieten (MhB-S) durchgeführt. Das hilft uns und dem Deutschen Dachverband Avifaunisten (DDA), die Entwicklung der Arten im Blick zu behalten. Hoffnung für das Braunkehlchen geben große strukturreiche Weidelandschaften.
Wo lebt es?
Einen idealen Lebensraum für das Braunkehlchen bieten hohe, strukturierte Weiden, Brachflächen oder Heidelandschaften, die ausreichend Deckung für die Bodenbrüter bieten. Auch Feuchtbiotope, wie Hochmoore oder Feuchtwiesen werden von ihm genutzt.
Während die Art in Nordosteuropa als ein häufiger Brutvogel gilt, ist sie bei uns mittlerweile sehr selten geworden. In Thüringen gelten die Truppenübungsplätze in Ohrdruf und Kindel als Verbreitungsschwerpunkte.
Wusstest du?
Den Winter verbringt das Braunkehlchen in Afrika, südlich der Sahara. Es nimmt dafür eine Strecke von ca. 5.000 km auf sich. Es beginnt seine Reise im Juli und ist bis zu vier Monate unterwegs. Zurück kommt es im Vergleich zu anderen Arten eher spät im Jahr.
Das Braunkehlchen ernährt sich hauptsächlich von Insekten und anderen Wirbellosen, die es von einem erhöhten Punkt – der sogenannten Ansitzwarte – aus erspäht und jagt. Dazu nutzt das Braunkehlchen zum Beispiel Disteln, einzelne Bäume und Büsche, Zaunpfähle und früher eben auch die Grenzpfosten.

Wie gefährdet ist es?
Das Braunkehlchen ist mit 20.000 bis 35.000 Brutpaaren in Deutschland stark gefährdet. In Thüringen gilt es nach Roter Liste sogar als „vom Aussterben bedroht“, denn hier werden nur noch 500 Paare vermutet. Hauptgrund für den Rückgang: Verlust geeigneter Lebensräume durch intensive Wiesenbewirtschaftung. Besonders das zu frühe Mähen der Wiesen gefährdet Nester und Jungvögel der Bodenbrüter.
Unser Tipp!

Die regelmäßige Beobachtung von Vögeln ermöglicht es, Veränderungen rechtzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren. Auch Sie können einen Beitrag zum Vogel-Monitoring leisten. Melden Sie Ihre Vogel-Sichtungen über ornitho und die zugehörige App Naturalist. An unseren großen Weidelandschaften, im Dankmarshäuser Rhäden und Alperstedter Ried, hängen Tafeln mit QR-Code, auf denen man sehen kann, welche Arten kürzlich beobachtet und gemeldet wurden.